Minenunglück in Soma, Uni- Boykott, Reaktionen aus meinem Umfeld

Sonntag, 18.05.2014

Vor einigen Tagen, am 13.05.14 ist in einem Bergwerk in Soma ein verherender Unfall geschehen, bei dem in etwa 300 Menschen ums Leben kamen. Unter ihnen auch Kinder und äußerst alte Minenarbeiter. 

Ausgelöst durch einen Brand, erstickten diese Menschen unter Qualen, alles in Folge einer nicht ausreichenden Sicherheitskontrolle und einer zudem nicht ausreichenden Sicherung von humanitären Arbeitsbedingungen. 

Präsident Erdogan weist alle Schuld von sich. Inzwischen sind  allerdings 24 Verantwortliche festgenommen wurden, darunter auch der gernerelle Manager des Bergwerkes. 

Die Trauer, die in der Bevölkerung ausgelöst wurde, ist überall spürbar. In meiner Universität wurde zu diesem Anlass eine Gedenkensrede gehalten, viele Vorlesungen wurden unterbrochen und Studenten versammelten sich auf dem Campus, um gegen die Ungerechtigkeit und die mangelhaften Arbeitsbedingungen anzukämpfen. 

Warum muss es erst so weit kommen, dass Menschen sterben, bis sich an dem eigentlichen und langefristigen Problem etwas ändert? 

Wieder einmal steht der Präsident vor der Kritik, Prioritäten falsch zu setzen, und wieder einmal gehen wutenbrannte Menschen auf die Straße, fahren nach Taxim und sind auf der Suche nach ihrem Mitspracherecht. 

Ob dies überhaupt zu einer Lösung führen wird ist fraglich, da die Demonstanten selbst keine Einheit bilden, geschweige denn eine Opposition zur derzeitigen Regierung bieten. Von allen Seiten wird die Regierung kritisiert, insbesondere in der Uni ist dies spürbar. Viele Studenten sprechen ihre eigene Unmut offen aus. Ob Professoren oder Studenten, bis jetzt habe ich in meinem studentischem Umfeld noch nie eine Person entdeckt, die sich all dieser Kritik offen stellt oder gar die Tätigkeiten der Rregierung zu verteidigen vermag. 

Liegt dies daran, dass ich hier in Istanbul and einer privaten Uni bin, liegt etwa ein Selektionsbias vor? 

Es mag tatächlich zutreffen, da unterschiedliche Regionen in der Türkei, ganz unterschiedliche politische Ansichten vertreten. Dennoch glaube ich zumindest, dass es zwar Anreize für Regionen mit niedrigerem Bildungsstand gibt, der Partei beizustehen, jedoch man insgesamt von keiner positiven Krellation zwischen politischer Ansicht und sozialem Status sprechen kann. 

Kommen wir zu einer anderen Frage. Wie haben die Studenten, Erasmus und einheimische Studenten um mich herum reagiert? 

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass dies nur einzelne Personen waren und man nicht auf eine allgemeine Evidenz verweisen kann. Dennoch würde ich sagen, dass diese Ereignis insbesondere bei den einheimischen Studenten stärker angeschlagen hat, So hat mir eine Studentin, die ich zufällig am nächsten Tag kennengelernt hat gesagt, dass sie selbst derzeit keiner Lust verspürt, zu einkaufen zu fahren, sich mit Freunden zu vergnügen, oder an einem Unikonzert teilzunehmen, Dies war wirklich beeindruckend für mich, da es nur wenige Personen in meinem Umfeld gibt, die politische Ereignisse so ersnt nehmen, als dass sie ihr eigenes Leben noch einmal reflektieren. 

Dieses Thema ist aber auch unter den Erasmus Studenten vorgekommen, doch mit weniger emotionaler Teilhabe, wenn man mal von Erasmus Studenten mit türkischen Wurzeln absieht, von denen es hier in aller Variation und aus allen möglichen Ländern welche gibt. 

People mourn their relatives at the cemetery where some of the 301 people killed in the Soma disaster were buried, on May 18, 2014

http://www.bbc.com/news/world-europe-27459912

 

 

 

 

 

Bald geht es los

Sonntag, 18.05.2014

Dies ist der erste Eintrag in meinem neuen Blog. In Zukunft werde ich hier über meine Erlebnisse im Ausland berichten.